DIE UNVERSÖHNLICHE // UNFORGIVING
Spielfilm - Melodrama 90 min. - gefördert mit Mitteln des BKM - Regie & Buch Felix Hassenfratz - in Entwicklung (Stand Juni 2011)


Prämisse

Maria, ein junges Mädchen von 17 Jahren, ist gefangen in einer Familie, die von der Gewalt des Vaters gegenüber der Mutter dominiert wird. Die Mutter, die alles erträgt, und dennoch zu ihrem Mann hält, hasst Maria für ihre Duldsamkeit und liebt sie zugleich. Vielleicht, um die Mutter zu befreien, sicher jedoch, um selbst frei zu sein, beschuldigt Maria ihren Vater des Missbrauchs an ihr.

Der Vater wird verhaftet, doch anstatt ihre Mutter zu retten, zerbricht daran die Familie und mit ihr ein ganzes Dorf. Und Maria findet sich in der Situation wieder, in der Alle ihr glauben schenken bis auf ihre eigene Mutter - in der Alle ihr glauben wollen, glauben müssen, weil endlich einmal ein Opfer das Schweigen bricht. Und Maria sieht sich erneut gefangen - in ihren eigenen Lügen, denen sie nicht mehr entkommen kann.


Regiestatement

Das Tragische ist ja, dass der Vorwurf des Missbrauchs sehr oft instrumentalisiert wird - z.B. in einem Sorgerechtsstreit, bei Scheidungen, zwischen Jugendlichen und ihren Eltern. Sozialarbeiter berichten von einem massiven Anstieg dieser falschen Beschuldigungen. Und das ist umso tragischer, als dass dem immer noch eine sehr hohe Dunkelziffer von realen Missbrauchsfällen gegenübersteht, die niemals zur Anzeige gebracht werden. Oft gerade aus dem Grund heraus, dass die Opfer Angst haben vor der Öffentlichkeit, Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird.

So stehen sich zwei Dinge gegenüber - zum einen eine zunehmend sexualisierte Welt der Jugendlichen, in denen es kaum Tabus gibt, und in der gerade durch diese scheinbare Tabulosigkeit eine große Scham existiert - einer Scham aus Mangel an Zwischenmenschlichkeit, an Werten und Vorbildern - eine Scham der Schamlosigkeit. Auf der anderen Seite steht das Schweigen, über Erlebtes, für das es keine Sprache gibt.

Wenn wir jetzt die öffentliche Debatte um den Missbrauch in Internaten wie der Odenwaldschule und in Einrichtungen der Kirche durch Priester führen, wenn wir uns mit der sexuellen Gewalt in solchen in sich geschlossenen Systemen beschäftigen, dann dürfen wir nicht vergessen, dass auch die Familie ein solches System ist, das stärkste vielleicht, und dass es oft solche geschlossenen Systeme sind, die Missbrauch hervorbringen - ob sexuell, psychisch oder durch körperliche Gewalt. Und diese Frage stellt ja dann ganz grundsätzlich die Frage nach der Basis menschlichen Zusammenlebens.

Erschreckend ist zugleich, dass durch genau diese beiden Aspekte - der hohen Dunkelziffer realen Missbrauchs - und einer sexualisierten Welt, in der der Vorwurf des Missbrauchs instrumentalisiert wird - dass dieses doppelte Tabu sich gegenseitig verstärkt - dass also realer Missbrauch und behaupteter Missbrauch zwei Perspektiven auf ein und dasselbe System sind.

Unser Sozialstaat versucht dem zu begegnen mit einem eigenen System aus Sozialarbeitern und Pädagogen, aus Schulpsychologen und Präventivprogrammen. Das ist wichtig und ehrenwert und der richtige Ansatz - aber solange das Thema Missbrauch ein Tabu ist,weil es uns an einem Diskurs, einer Sprache darüber, fehlt, krankt das System daran, dass jene, die missbraucht wurden, weiter schweigen in Sprachlosigkeit - und von anderen genau jene Sprachlosigkeit selbst missbraucht werden kann, durch die reine Macht der Worte.

Ich habe viele Fälle dieser Art recherchiert, und es ist erschreckend, wie leicht der reine Vorwurf des Missbrauchs den sozialen Ruf eines Menschen für immer ruinieren kann - und ihn im schlimmsten Fall hinter Gitter bringt. Und dem gegenüber stehen viele Opfer, die nach Jahren, vielleicht Jahrzehnten, das erste Mal über einen realen Missbrauch sprechen und denen nicht geglaubt wird - in einem System, wie in einer Familie oder einem Internat. Aber das Problem bleibt nicht dort allein, wir leben in einer Gesellschaft der existenten Schweigespirale, die sich um das Tabu des Missbrauchs immerzu dreht, atemlos und brausend still.

(Felix Hassenfratz)